02.12.2019
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Vierseithof Obing
Foto: GILLHUBER Immobilien

Im Herzen des Chiemgaus liegt der malerische Obinger See. Unmittelbar an dessen Ufer findet sich ein großzügiger Vierseithof, der als offizielles Kulturdenkmal im Sinne des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes geführt wird. Das außergewöhnliche Bauwerk wurde beginnend 1880 mit Fassaden im Stil eines venezianischen Palazzos errichtet. Noch heute spiegelt der große Gutshof die Einflüsse italienischer Baukunst wider. In den vergangenen Monaten wurde das historische Gebäude mit viel Liebe zum Detail und in enger Abstimmung mit der bayerischen Denkmalbehörde umgebaut. Insgesamt entstanden 37 hochwertige und moderne Eigentumswohnungen in einzigartiger Umgebung und Atmosphäre. Die Bewohner sollten, so eine entscheidende Forderung im Wohnkonzept des Bauherrn, von den Vorteilen eines zeitgemäß gedämmten und energieeffizienten Gebäudes profitieren. Gleichzeitig sollte die historische Bausubstanz weiterhin optisch prägend bleiben. Eine Herausforderung für den verantwortlichen Architekten genauso wie für die Ausbauunternehmen.
 
Mit seinem herrschaftlichen Erscheinungsbild und Freiflächen von mehr als 13.600 m2 gilt der Gebäudekomplex in Obing als einer der größten und schönsten zudem vollständig erhaltenen Vierseithöfe in ganz Bayern. Die Besonderheit dieses Bautyps zeigt sich in den streng symmetrisch gegliederten Fassaden mit klassizistischen Formen und einer ambitionierten Ästhetik. „An diesem alten Glanz wollten wir auf keinen Fall rühren. Vielmehr sollte der historischen Bausubstanz behutsam zu neuer Geltung verholfen werden. Im Innern hingegen sollten Wohnungen entstehen, die modernsten Maßstäben entsprechen“, erläutert Dipl.-Ing. (FH) Architektur Oliver Klemz vom Leipziger Architekturbüro Arbeitsgruppe. 
 
Historisches erhalten und moderne Wohnqualität schaffen
Geplant wurden 37 Eigentumswohnungen mit durchdachten Grundrissen und Wohnflächen zwischen 57 m2 und 172 m2. Ausgestattet wurden alle Wohnungen mit hochwertigem Feinsteinzeug- oder Parkettbelägen, exklusiven Bädern sowie einer modernen Haustechnik und Heizungsanlage. Besonderes Augenmerk legten die Planer bei der Sanierung auf die neue Konstruktion des rund 1.800 m2 großen Steildaches. „Das mit einem Neigungswinkel von 20º relativ flache Dach ist mit einer Eindeckung aus Titan-Zinkblech das Bauteil mit der modernsten Anmutung geworden. Darunter wurde der historische Dachstuhl, der sich in einem sehr guten Zustand befand, mit leistungsfähigen Dämmlösungen kombiniert, um so eine energetisch hochwertige Dachkonstruktion zu schaffen“, so Oliver Klemz. Aus Denkmalschutzgründen sollte das Dach nicht wesentlich an Höhe gewinnen, das bedeutet, dass die gesamte Dämmung im Inneren des Dachgeschosses eingebaut werden musste. 
 
Doppelter Schutz vor Feuchtigkeit
Die Herausforderung dabei: Die Dacheindeckung aus Titan-Zinkblech ist mit einem Diffusionswert (sd) von rund 1.500 m schlichtweg diffusionsdicht. Dafür, dass hier eine bauphysikalisch dauerhaft sichere Konstruktion entstand, sorgten die Planer deshalb mit einer durchdachten Lösung. „Für einen zuverlässigen Schutz vor Feuchtigkeit in der Dachkonstruktion sorgt zum einen eine Hinterlüftungsebene, zum anderen eine intelligente und hochleistungsfähige Klimamembran zwischen den verschiedenen Dämmlagen“, erklärt Oliver Klemz. 
 
Hierzu wurde die Zinkblecheindeckung auf einer neuen Massivholzschalung verlegt, die mittels Traglattung in einem Abstand von 40 mm auf die bestehende, 25 mm dicke Massivholzschalung aufgebracht wurde. Deren Oberseite wurde zuvor mit einer neuen diffusionsoffenen Schalungsbahn ausgestattet. „Die Bestandsschalung, übrigens ebenso wie der Großteil aller Sparren, wies trotz eines vergleichsweise langen Leerstands des Gebäudes eine hervorragende Bausubstanz auf. Die gemessene Holzfeuchte lag weit unter dem kritischen Wert von max. 20 Masse-%“, so der Architekt. 
 
Mit nichtbrennbaren Dämmstoffen immer auf der sicheren Seite
Zur Verlegung einer 180 mm starken Zwischensparrendämmung, die später von einer zusätzlichen Untersparrendämmung ergänzt werden sollte, mussten die Sparren lediglich mit einer 60 mm starken Aufdopplung von 120 mm auf die erforderlichen 180 mm gebracht werden. Einige Sparren erhielten zudem an ihren Flanken eine statische Ertüchtigung aus 6 x 18 cm Kanthölzern. Hinsichtlich des Dämmmaterials hatten die Planer klare Vorstellungen: „Unser Büro arbeitet seit Jahren ausschließlich mit nichtbrennbaren Dämmstoffen, die einen Schmelzpunkt von über 1.000 ºC besitzen. Ganz gleich, ob besondere Brandschutzanforderungen bestehen oder nicht, die Bewohner erhalten dadurch ein Maximum an Sicherheit und alle verarbeitenden Gewerke, insbesondere der Trockenbau, sind damit immer auf der sicheren Seite.“
 
Gleichzeitig musste ein System gefunden werden, mit dem die zuverlässige Rücktrocknung des Steildachaufbaus nach innen gewährleistet wird. Technische Unterstützung erhielten Oliver Klemz und sein Team von den Anwendungstechnikern des Dämmstoffspezialisten ISOVER. Diese führten unter anderem eine dynamische feuchteschutztechnische Bewertung gemäß WUFI durch, auf deren Basis dann der konkrete, nachgewiesen sichere Dachaufbau geplant und umgesetzt wurde. 
 
Rücktrocknung sichergestellt
Zwischen die Sparren verlegten die Trockenbauer des verantwortlichen Ausbauunternehmens Alpha Projekt zunächst eine Lage des nichtbrennbaren ISOVER ULTIMATE Klemmfilz-035. Er bildet mit einer optimalen Kombination aus überzeugenden Wärme-, Schall- und Brandschutzeigenschaften die Basis für die leistungsfähige Dachkonstruktion. Zur Sicherstellung der Luftdichtheit wählten die Dachprofis die feuchteadaptive Dampfbremse ISOVER Vario® XtraSafe. Sie gewährleistet durch ihre hohe sd-Wertspreizung von 0,3 bis 25 m auch bei starken Temperaturschwankungen optimale Leistungen und eine exakte Umschaltung zwischen dampfbremsender und diffusionsoffener Funktion. Etwaige Feuchtigkeit im Dachstuhl kann so in den Sommermonaten in die Innenräume entweichen, die gesamte Konstruktion sicher rücktrocknen. „Bei der Verlegung von Dampfbremsen gerade in solch historischen Bauwerken ist allerdings besondere Sorgfalt gefragt“, erklärt Trockenbauprofi Zsolt Bencze von Alpha Projekt. „Die wenigsten Wände sind absolut gerade. Es gilt viele Anschlussdetails zu lösen und unzählige Durchdringungen optimal abzudichten. Besondere Sicherheit bieten dabei geprüfte Systeme wie Vario® von ISOVER. Für jeden Untergrund gibt es die perfekt haftenden Klebe- und Dichtmassen. So haben wir in Obing auch erstmals das neue überputzbare Anschlussband Vario® Bond für den sicheren Anschluss von Dampfbremse, Fenster und Türen an das verputzte Mauerwerk eingesetzt. Das Band besitzt eine sehr hohe Klebekraft sowohl auf Beton und Stein als auch auf Holz und Metall. Dank eines überputzbaren Vlieses entstehen mit wenigen Arbeitsschritten hochwertige und optisch ansprechende Putzoberflächen“, so Zsolt Bencze weiter. 
 
Um die wärmedämmenden Eigenschaften der neuen Dachkonstruktion weiter zu verbessern, verlegte das Ausbauteam anschließend eine 100 mm starke Lage des ULTIMATE Klemmfilz-035 von ISOVER als Untersparrendämmung. Die Dämmung wurde hierfür auf die zuvor rund 12 cm tief abgehängte Unterkonstruktion und die diffusionsoffene Innenbekleidung aus Gipskartonplatten gelegt.
 
„Im Zusammenwirken der Hinterlüftungsebene von außen sowie der feuchteadaptiven Dampfbremse und der diffusionsoffenen Dämmstoffe im Inneren ist ein Dachaufbau entstanden, der sowohl maximale Sicherheit vor Feuchteakkumulation in der Konstruktion bietet als auch für ein behagliches Innenraumklima und überschaubare Heizkosten sorgt. Und durch die aufeinander abgestimmten Komponenten der ISOVER Systeme konnten wir auch den erwartbaren aber eben immer auch überraschenden Herausforderungen einer knapp 140 Jahre alten Bausubstanz gerecht werden“, fasst Architekt Oliver Klemz seine Erfahrungen bei diesem Projekt zusammen. 
 
 
Bautafel
Bauherr: LS Denkmal Gut Obing GmbH & Co. KG, Mühldorf
Architekt: Robert Ketterer Architekten, München
Planung: Rossmanit & Partner Architekten, Leipzig
Bauüberwachung: Arbeitsgruppe I Bachmann, Gregor, Kuther, Klemz – GmbH,  Leipzig
Verarbeitung 
Dämmung / Trockenbau: Alpha Project GmbH, Erding
Fachberatung
Isolierung: Hans Ritt / Andreas Grübler, SAINT-GOBAIN ISOVER G+H AG


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